›Buddhistische Sekten‹ - Missbrauch

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»Tolerant ist nicht, wer Missstände ignoriert« (Jack Kornfield)

Missbrauch im Dharma

Gefahren im Dharma selbst:

  • Gefahr mit der Forderung nach Ichüberwindung (Egobrechen) im Buddhismus.
  • Übertriebene Hingabe, Minderwertigkeitsgefühle werden oft durch Identifikation mit einem Lehrer oder der Sangha kompensiert (erliehenes Ego).
  • Keine wirkliche Ichlosigkeit der Lehrer, zu grosses Vertrauen in ihre Verwirklichung.
  • Geistige, psychische, ethische Voraussetzungen für den Tantra-Weg oft nicht gegeben.
  • Gefahr der Forderung „nicht zu denken“, führt nicht selten zu blinder Naivität und Dummheit.
  • Das Dharma wird oft nicht mehr bei Buddha selbst begründet sondern aus Kommentaren und Subkommentaren oder nur noch durch die persönlichen Lehrer.
  • Kein Wissen über das gesamte Buddhayana, nur die eigene Schule bekannt.


Zusammenfassung typischer Sektencharakteristika:

  • Abschottung nach Aussen, auch von der Familie, alten  Freunden usw.
  • Verabsolutierung der eigenen Gemeinschaft
  • Vergöttlichung des eigenen unfehlbaren Lehrers
  • Die eigene Lehre ist die einzige Wahrheit
  • Erzeugen eines überzogener Harmonie- und Glückskults
  • Keine Kritik an der eigenen Gruppe oder am Lehrer erlaubt oder möglich
  • Verteufelung aller anderen Lehren, Lehrer, Gruppen
  • Androhung von schweren Nachteilen und (Höllen-) Strafen bei Ausbrechen
  • Alle Fehler und Probleme sind nur beim Einzelnen zu suchen
  • Totalitäre Begründungskreisläufe, „die Partei hat immer recht“ („höhere Einsicht“)
  • Kritisches Denken und Nachfragen ist „falsches Bewusstsein“ und „Ego“
  • Totale und blinde Unterordnung ist Ausdruck „tiefer Hingabe“
  • Kein Vertrauensschutz bei anderen Mitgliedern möglich (nichts geheim)
  • Aggressives Missionieren nach aussen stärkt Gruppenidentität
  • Rechtfertigungsdruck beim Mitmachen und Missionieren

 
Sexueller Missbrauch:

  • Lehrerposition wird für persönliche Wünsche und Begierden ausgenutzt
  • Automatische Rechtfertigung des Lehrers durch die Anderen, wie findet das Opfer Gehör?
  • Ein Dharma-Lehrer muss berücksichtigen, daß Schüler sich ihm gegenüber nicht unbedingt wie verantwortliche Erwachsene verhalten
  • Bei vielen Opfern spielt sich eine Wiederholung alter leidvoller Erfahrungen ab.
  • Bei manchen Opfern gibt es durchaus auch eigene Wunschfantasien

 
Lösungen:

  • Mehr, gründlichere und authentische Dharmakenntnisse
  • Mehr Kenntnisse über die Gefahren vermitteln (DBU, BUBB)
  • Die eigene Kritikfähigkeit beibehalten, kein blinder Glaube
  • Lehrer und Gruppen gründlich und länger prüfen
  • Nicht immer gleich die höchsten Wege gehen wollen
  • Den Vinaya kennenlernen, da gibt es viel über Sangha-Erfahrungen zu lernen
  • Aufstellen eines Lehrer-Verhaltenskodex (IMS)
  • Einrichtung eines Ethikrates (IMS) oder von Vertrauenspersonen


 

Franz Johannes Litsch (C) Franz Johannes Litsch
Franz Johannes Litsch ist Architekt, seit 43 Jahren auf dem Weg des Buddha, viele Jahre als Zen-Praktizierender, einige Jahre dem tibetischen Buddhismus folgend und ist heute Theravada und Vipassana-Übender. Er war 8 Jahre Mitglied des Rates der Deutschen Buddhistischen Union (DBU), ist  Mitbegründer der Buddhistischen Akademie Berlin und tritt für einen gesellschaftlich engagierten Buddhismus ein. Siehe auch: http://www.buddhanetz.de/

 


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