Kriterien für problematische Entwicklungen in einer buddhistischen Gruppe
Kriterien für Sekten (Cults) nach Prof. Dr. Margaret Thaler Singer
Magaret T. Singer war eine promovierte klinische Psychologin und wirkte an der
Universität von Kalifornien als Professorin für
Psychologie. Robert Jay Lifton, ein bekannter US-amerikanischer Psychiater, der u.a. an der Havard Universität lehrte, schreibt über sie: »Margeret
Singer ist sich der Komplexität des Sektenphänomens voll
bewußt"...und "widmet sich in einer seltenen anzutreffenden
Verbindung von beruflicher Kompetenz und persönlichem Mut dem
Thema.«[1]
Die drei hauptsächlichen Merkmale für Sekten (Cults) nach M.T. Singer[2]
| 1. |
Die Entstehung der Gruppe und die Rolle des Führers |
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"In den meisten Fällen steht eine
Person, in der Regel der Gründer, an der Spitze der Gruppe, und
alle Entscheidungen werden letztlich von dieser einen Person
getroffen." |
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1.1. Sektenführer sind
selbsternannte, überzeugungsstarke Personen, die für sich
eine besondere Mission oder besonderes Wissen beanspruchen |
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1.2. Sektenführer wirken entschlossen, treten tyrannisch auf und werden oft als charismatisch beschrieben |
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1.3. Sektenführer machen sich selbst zum Objekt der Verehrung |
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| 2. |
Machtstruktur: Die Beziehung zwischen Führer und Anhängern |
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„Der Führer steht allein an der
Spitze und sämtliche Anhänger sind unten.“ Singer
empfiehlt sich ein umgedrehtes T vorzustellen. Letztlich heißt
das: es gibt keine regulative Macht, keine lebende Person oder
Institution, die dem Führer übergeordnet oder ihm
gleichgestellt ist. |
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2.1. Sekten sind in ihrer Struktur autoritär |
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„Der Führer wird als die
höchste Autorität betrachtet; auch wenn er gewisse
Machtfunktionen an ein paar Untergebene delegiert, die dann
darüber wachen, dass die Mitglieder seinen Wünschen und
Regeln Folge leisten, ändert dies nichts am Prinzip. Es gibt keine
Appellationsinstanz außerhalb des Systems, kein
übergeordnetes System der Gerechtigkeit. Wenn sich zum Beispiel
ein Schullehrer vom Direktor ungerecht behandelt fühlt, kann er
sich an eine außenstehende Autorität wenden. In einer Sekte
hat in allen Fragen der Führer das letzte Wort.“ |
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2.2. Sekten geben sich den Anschein von Innovation und Exklusivität |
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2.3. Sekten haben in der Regel eine doppelte Moral |
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“Die übliche Philosophie von
Sekten ist jedoch, dass der Zweck die Mittel heiligt, eine Sichtweise,
die zulässt, dass sich Sekten ihre private Moral schaffen –
jenseits der geltenden gesellschaftlichen Normen.“ |
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| 3. |
Der Einsatz von Überredungs- und Überzeugungstechniken |
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Diesem Punkt widmet sich im Wesentlichen das
ganze Buch von M.T. Singer. Das Wesentliche ist, dass es ein System von
Sichtweisen, Gedanken und Verhalten in der Gruppe gibt, das dazu
führt, dass Leute der Sekte beitreten, dabei bleiben und gehorchen
- es gibt also "Überzeugungstechniken, die darauf zielen, Menschen
abhängig zu machen und auszubeuten."... "Sekten neigen
dazu, totalitäre oder allumfassende Kontrolle über das
Verhalten ihrer Mitglieder auszuüben; sie sind meist auch totalitär in ihrer Ideologie und neigen zum Fanatismus und Extremismus in ihrer Weltanschauung. Die meisten Sekten erwarten von ihren
Mitgliedern früher oder später – meist früher -,
dass sie zunehmend mehr Zeit, Energie und Geld oder andere Ressourcen
für die Ziele der Gruppe einsetzen…“ „Nahezu in
jeder Hinsicht fördern Sekten so genanntes
Schwarz-Weiß-Denken, ein Standpunkt des Alles-oder-Nichts.“ |
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3.1. Sekten erwarten von ihren Mitgliedern einen Bruch oder Wandel im Lebensstil |
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Durch andere Nahrung, Kleidung, Lebensstil,
Sprache, durch das Bestimmen was sie denken, glauben oder sagen sollen
usw. werden Mitglieder abhängig gemacht und von ihrem Umfeld
isoliert und müssen sich letztlich „mit Haut und Haaren dem
Gruppenziel verschreiben.“ |
.
Sekten sind nicht alle gleich
„Letztlich sind Sekten nicht alle gleich, und sie
ändern sich auch….Es gibt je nach Sekte unterschiedliche
Grade der Zugehörigkeit und Abstufungen in der
Mitgliedschaft….Aber auch innerhalb ein und der selben Sekte
können sich Regeln, Einschränkungen und Anforderungen von
Jahr zu Jahr oder auch von Ort zu Ort ändern, je nach
äußerem Druck, lokaler Führung und den Launen des
Führers.“ Auch die Art und Weise wie Kontrolle ausgeübt
wird und in welchem Umfang sie ausgeübt wird, unterscheidet sich
von Gruppe zu Gruppe.
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»Was
wir Sekten nennen, stellt einen wichtigen Ausdruck des Fundamentalismus
dar. Was für den einen eine Sekte ist, ist für den anderen
eine Religion.« (Robert Jay Lifton)
Kriterien für Sekten (Cults) nach Robert Jay Lifton[3]
Der amerikanische Psychiater Robert J.Lifton sieht in einer zu Beginn der 1980er Jahre verfassten Analyse fundamentalistische Kultgruppen (cults) als Ausdruck eines weltweiten Anwachsens von „Totalismus“ (der nicht mit politischem Totalitarismus gleichzusetzen ist). Kennzeichen „totalistischer“ cults sind:
- ein charismatischer Führer, der in dem Mass zum Objekt der Verehrung wird, in dem die
ursprünglich die Gruppe konstituierenden Prinzipien an Bedeutung
verlieren
- „Gedankenreform“ (persuasion), diese ist nicht mit Gehirnwäsche identisch
- ökonomische, sexuelle oder andere Ausbeutung der Gruppenmitglieder durch den oder die Anführer
Zur Durchsetzung ihrer Ziele wenden cults dabei folgende Mittel an:
- Milieukontrolle: Kontrolle aller Kommunikation in einer bestimmten Umgebung
- Mystische Manipulation oder Geplante Spontaneität: Fasten, Chanten, Schlafentzug usw.
- Forderung nach Reinheit: radikale Trennung zwischen Gut und Böse in der Umwelt und in sich selbst
- Bekenntnis: Sünden, so wie sie von der Gruppe definiert werden, müssen entweder gegenüber einem persönlichen Beobachter oder öffentlich gegenüber der Gruppe bekannt werden
- Geheiligtes Wissen (sacred science): Behauptung wissenschaftlicher Anerkennung
- Veränderung der Sprache (loading the language): Heiligung bestimmter Worte
- Doktrin vor Person (doctrine over person): die Dogmen der Gruppe haben Vorrang vor der persönlichen Erfahrung
- Leugnung der Existenzberechtigung Anderer (dispensing of existence): Wer die Wahrheit nicht erkannt hat, gilt als verworfen und hat in letzter Konsequenz keine Existenzberechtigung
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»Wenn
Sie eine Menge ehrgeiziger Pläne im Kopf haben, Handel treiben,
Schüler um sich sammeln und sich selbst als Lehrer etablieren,
werden Sie sich wie eine Spinne in Ihren eigenen Netzen fangen.« (Dilgo Khyentse Rinpoche)
Fünfzehn Kriterien[4] für eine ungesunde Entwicklung, die besonders für Mahayana/Vajrayana Gruppen mit starkem Lehrerbezug gelten:
Für ein höheres Ziel (z.B. dem Wohle aller Wesen)
wird sehr aktives Handeln für die Gruppe, den Lehrer, die
Tradition usw. eingefordert. Der Einzelne hat sich einzuordnen und ist
dann ein korrektes, ethisch einwandfreies Gruppenmitglied. Das Mitglied
selbst hat dann letztlich immer weniger Freiheiten für die eigene
Person und diese totale Unterordnung wird dann als Fortschritt in der
Überwindung des Egos gewertet:
Das führt dann dazu:
- die Person gibt ihre gesamte persönliche Zeit der Gruppe bzw. für das höhere Ziel der Gruppe
- ihr ganzes finanzielles Vermögen fließt in die Gruppe
- Kontakte zum alten Umfeld lösen sich auf
- alte Arbeits - und Tätigkeitsfelder lösen sich auf
Das führt letztlich zu einer emotionalen,
finanziellen und spirituellen Abhängigkeit, die mit einer starken
Abschottung nach außen einhergeht.
Häufig scheint dieses Bild nicht nach draußen, es ist eine
Dynamik die im engsten Kreis der "Zugehörigen", des inner circle,
entsteht. Nach außen können die Gruppen recht intakt und
inspirierend wirken.
Wie ist das möglich und was heißt das?
Der Lehrer im Kult der Gruppe wird übermäßig idolhaft
aufgebläht, es werden gute Qualitäten und Fähigkeiten in
ihn interpretiert, die er/sie nicht besitzt. Der Lehrer wird "als
Buddha gesehen", was er/sie sagt ist richtig, alles andere falsch oder
mangelhaft. Es gibt keine Erklärungen, dass diese Sicht "der
Lehrer ist ein Buddha" nicht wörtlich zu verstehen ist, sondern
diese Sicht wird einseitig und dogmatisch als die "zu erlangende
Verwirklichung" dargestellt, die einzige die korrekt ist und wer sie
hat, der hat den großen Fortschritt gemacht - ohne diese
Sicht dagegen, gibt es keine einzige "Verwirklichung".
Differenzierter oder gar kritischer Umgang [im Sinne des Buddha und der
eigentlichen Bedeutung auf der Basis eines Leerheitsverständnis
des abhängigen Bestehens] mit dieser Sicht des Vajrayana ist
unmöglich. Jedes Hinterfragen oder jeder Zweifel ist negativ, eine
Projektion und muss vom Schüler bereinigt werden.
Schritt für Schritt gelten nur noch die Sichtweisen der Gruppe/des
Lehrers, Kritik, andere Sichtweisen, offene Diskussion, das Aussprechen
von Zweifeln, ja das Anvertrauen mit seinen Ängsten an andere
Gruppenmitglieder ist nicht möglich. Die Pauschalantworten sind:
man wäre negativ, kommt in die Hölle, wenn man so was denkt
oder es wird einem gesagt, man wäre fehlgeleitet, hat falsche
Sichtweisen, hätte was zu bereinigen usw.
Will der Schüler Unstimmigkeiten hinterfragen, wird
geschwiegen, ausgewichen, oder er wird als unreif und zu dumm zum
Prüfen hingestellt. Weitere Wege der Täuschung sind: auf
höhere mystische (für den Schüler nicht nachvollziehbare
Ebenen) auszuweichen, wie: das verstehst Du noch nicht, Du musst
Vertrauen haben, ich sehe Dinge, die kannst Du noch nicht sehen, die
Aktivität von Buddhas und Bodhisattvas ist für
gewöhnliche Wesen nicht verständlich (dabei wird
natürlich der Leiter der Gruppe mit einem Buddha/Bodhisattva
gleichgesetzt) usw....
Oder es wird in die emotionale Drohung gegangen: Du kannst ja gehen
wenn's Dir nicht passt! Oder: Pass auf was Du sagst! Pass auf mit wem
Du sprichst! Psst! Sag nichts! Es ist nur zu Deinem Schutz!
Kraftvolle spirituelle Drohungen können sich so anhören: Lies
Dir mal die Gelübde durch! Willst Du mit dem Guru brechen?! Du
willst gehen? Ja da klingeln ja wohl hoffentlich die Alarmglocken bei
Dir! Dabei wird auf den zuvor in Vorträgen, Kursen oder Studien
etablierten Hintergrund des "Verständnisses" gebaut, dass ein
Schüler keine "Verwirklichungen" mehr erlangen kann und in die
Hölle kommt, wenn er seinen Lehrer verlässt, und in vielen
zukünftigen Leben, nie wieder einem qualifizierten Lehrer begegnen
wird. Ja die eigenen Schwierigkeiten und Vertrauensprobleme, sind
bereits Auswirkungen solcher Handlungen in der Vergangenheit. Die
kritischen Fragen zum Lehrer sind ganz negativ und müssen sofort
gereinigt werden.
Subtilere Arten der Manipulation sind Ausweichen auf der Sachebene
und der Verweis auf Schüler, wie Lekpay Karma, der zu schlechtes
Karma hatte, um die Qualitäten des Buddha zu erkennen. Oder "ein
reiner Geist sieht reine Dinge". Der Trick ist hier, dass der
Schüler den Zweifel nicht wirklich offen aussprechen darf und
klären kann, sondern er subtil unterdrückt oder weggeredet
wird. Es gibt auch den Weg, Sachfragen aus Zweifeln zuzulassen, dann
aber völlig absurd zu antworten oder auf andere Themen zu lenken.
Schließlich wird folgendes zur "Wahrheit" der Gruppe:
Der Lehrer ist gut, andere sind nicht so gut oder schlecht.
Die Gruppe ist die Beste, andere sind nicht so gut, fehlgeleitet oder falsch.
Hier in der Gruppe mit diesem Lehrer gibt es noch den "reinen" Dharma,
die anderen, "die da draußen" (außerhalb der Gruppe) haben
den nicht, sind degeneriert. Überhaupt ist eigentlich alles so
degeneriert, bis auf den eigenen Lehrer, die Gruppe, der ihr
Zugehörigen. So schottet man sich immer weiter ab und wendet sich
immer mehr dem inner circle zu, was das Ego als Fortschritt verbucht:
Ich bin besonders; wir sind noch die Guten; die armen Anderen, na ihnen
werden wir helfen. Diesen wendet man sich dann mit gut gemachten
Internetseiten und Publicity zu, um sie zu retten (das heißt in
die Arme der Gruppe oder des Lehrers) zu führen.
Kriterium 1
Mangel an Toleranz und Erkennen des Guten in anderen
Es fällt solche Gruppen schwer, gutes in anderen Gruppen und
Lehrern, in anderen Traditionen und Religionen zu sehen. Deshalb ist es
schwierig für sie, eine aufrichtige Empfehlung zu geben, es bei
einer anderen Gruppe zu versuchen, sich in den verschiedenen
buddhistischen Zentren erst einmal umzusehen und Erfahrungen zu
sammeln. Oder auch wie S.H. der Dalai Lama es immer wieder tut, darauf
hinzuweisen, dass ein Wechsel der Religion hier im Westen sehr gut
überlegt sein will und zu Vorsicht zu raten.
Kriterium 2
Isolation und Abschottung
Die Internen der Gruppe, der inner circle, arbeiten so hart
für die Ziele der Gruppe, dass sie nicht mehr zum Nachdenken
kommen und ihre Zeit und Geld ordnen sie dem Belang der Gruppe unter.
"Weltliche" Arbeit und "weltliches" Studium geben sie auf. Kontakte mit
alten Freunden brechen, lösen sich auf. Sie rutschen immer tiefer
in den Strudel, der selbstzentrierten Dynamik der Gruppe.
Allmählich werden ihre Kontakte, ihre Besuche, ja eventuell selbst
Post und email Verkehr "liebevoll und fürsorglich" kontrolliert.
Man sieht nur noch die eigene Gruppe, den eigenen Lehrer, die eigenen
religiösen Symbole oder Buddhastatuen, den eigene Ort. Man
fühlt sich nur noch dort, in der vertrauten Welt der Isolation von
der feindlichen ("degenerierten") Außenwelt wohl. Das
"Außen" erscheint fremd, kalt, bedrohlich.
Eine Spaltung von "innen" (in der Gruppe) und "außen" (der
feindlichen Außenwelt) hat statt gefunden.
Diese Isolation kann mit einem radikal und fehlinterpretierten Auslegen
des Begriffes bzw. der Einstellung von "Entsagung" weitgehend gestützt und genährt werden.
Die Abschottung nach außen wird im Wesentlichen durch ein
vereinfachendes schwarz-weiß Denken unterstützt. Alles
innerhalb der Gruppe ist rein und gut. Alles außerhalb unrein und
gefährlich, ja auch dämonisch und eine Gefahr für die
Gruppe und ihre Reinheit. Etwas, wovor man sich und die Gruppe
schützen muss. Dadurch vertieft sich die Bindung an die Gruppe und
die eigene Abhängigkeit ihr gegenüber.
Kriterium 3
Unausgewogenes Mitgefühl und Liebe
Für Neue, die in die Gruppe kommen, nimmt man sich Zeit, sie
werden, mit Zeit, Liebe und Aufmerksamkeit überschüttet (love
bombing nennen das Sekteninsider) aber für die Probleme eines lang
anwesenden Gruppenmitglieds (Interner) gilt das nicht: die müssen
einfach funktionieren und wenn sie krank werden, ist das nur insofern
von Interesse, ihnen zu helfen, dass sie wieder die Arbeit für die
Gruppe/"höheren Ziele der Gruppe" aufnehmen können. Eine
gewisse Kälte und Ignoranz der Nöte der Internen
untereinander entsteht. Man rennt aneinander vorbei.
"In den ersten Wochen oder Monaten nach dem
Beitritt durchlebt der Neubekehrte meist eine euphorische Phase. Er
wird behandelt wie ein König. Man sorgt dafür, dass er sich
als etwas ganz Besonderes fühlt, wenn er sein neues Leben mit der
Gruppe beginnt. Er muss erst noch erfahren, wie das Leben in der Gruppe
wirklich aussieht,..." Steven Hassan
Kriterium 4
Feindbilder und Herabsetzung anderer Autoritäten
Gruppen mit sektenähnlichen Strukturen sind gekennzeichnet davon
Feindbilder zu haben, sowohl innerhalb ihrer eigenen Tradition, z.B.
der Dalai Lama, andere Gruppen, Kritiker und Ehemalige die gegangen
sind, solche sind Spalter, fehlgeleitet, haben nicht genug "gutes
Karma" oder "Verdienste" in der Gruppe ("im Mandala" oder der "reinen
Tradition") bleiben zu dürfen, haben Ego Probleme, machen Politik,
haben sexuelle Affären, haben ihre Gelübde gebrochen
oder mit dem Guru gebrochen; kurz Verdammte! Aber auch Geister,
dämonische Kräfte, Wissenschaftler oder Psychologen
können das Objekt der Feinseligkeit sein. Kurz:
"Jede Gruppe hat ihr eigenes Schreckgespenst." Steven Hassan
Letztlich fördert diese "Schreckgespenst"
den Zusammenhalt in der Gruppe und wird entsprechend bei Bedarf oder
öffentlicher Kritik gerne heraufbeschworen.
Lehrer-Autoritäten des Buddhismus oder schriftliche Textquellen,
die eine andere Sicht, als die in der Gruppe vorherrschende, vertreten
oder nicht Mitglieder der Gruppe sind, werden konsequent als
inkompetent oder wenig verlässlich hingestellt oder geschickt, auf
subtile Weise in ihrer Autorität herabgesetzt. (z.B. der hat seine
Gelübde/mit dem Guru gebrochen, der kann mein Schüler werden,
ja zwischen Dharma leben und ein Buch schreiben da gibt es einen
Unterschied, der Übersetzer steht doch gar nicht in unserer
Tradition, dann kann der Text ja nur höchst fragwürdig
sein...) Oder man macht sich über solche Autoritäten lustig,
scherzt ein wenig über sie und setzt sie dadurch herab und
erhöht sich selbst.
Der Grundtenor ist:
Wir sind richtig, unser Lehrer ist richtig, die anderen sind falsch.
Das schwache Selbst hat sich in ein höheres Gruppenselbst
verwandelt. Oder besser: das individuelle Ego ist zu einem Gruppenego
geworden. So wie sich vorher alles um die eigene Person drehte, dreht
sich jetzt alles um den Lehrer, die Gruppe und ihre Ziele. Durch eine
starke Identifikation mit dem Lehrer, der ja so rein ist, der Gruppe,
die ja so besonders ist und der so reinen Tradition in den "so
degenerierten Zeiten" erfährt das eigene ICH eine Aufwertung und
kompensiert entweder ein schwaches Selbstvertrauen bzw.
Minderwertigkeitsgefühle ODER ein zuvor zu starkes ICH verlagert
sich in ein Gruppen-ICH, was als Zunahme von Liebe und Mitgefühl
gewertet wird, weil der Horizont des Handelns sich ausdehnt, aber
letztlich begrenzt in den Räumen der Gruppe gefangen bleibt.
Kriterium 5
Gleichschaltung
Man ist erst dann volles Mitglied, oder "entwickelt",
"fortgeschritten", wenn man denkt, redet, sich kleidet, verhält,
wie die Gruppe. Wenn man völlig konform ist. Das geht ein bisschen
mit der Auflösung der Individualität einher. Ein starker Sog,
eine starke Sehnsucht zum inner circle zu gehören entsteht. Man
ist bereit alles dafür zu geben, "dazu zu gehören".
So wie es in den Sektenseiten beschrieben wird, entsteht eine eigene
(gleichgeschaltete) Sprach- und Denkkultur, die kein
Außenstehender mehr versteht, was die Kluft/Isolation zum
äußeren Umfeld noch mehr verstärkt, die Irritation
vergrößert und die Einbindung in die Gruppe - und damit die
psychische Abhängigkeit von der Gruppe - fördert.
"Individualität ist schlecht, Konformität ist gut." Steven Hassan
"Selbstlosigkeit zu realisieren" ist aber eine
Sichtweise, die die Vorstellung eines unabhängigen, ewigen,
unteilbaren Selbst überwunden hat. Das heißt nicht, dass man
aufgrund eines schwachen Selbstwertgefühls mit dem eines anderen
verschmelzen würde und man dann etwas "Höheres" geworden ist.
Auch heißt es nicht, dass man seine Persönlichkeit aufgibt
(Entpersonalisierung). In der Theravada Tradition wird von Heiligen
(Arhats) gesagt: "Nicht die Persönlichkeit wird erleuchtet."
Alle Heiligen sind von einer starken Persönlichkeit
gekennzeichnet, von Eigenheiten, von "Paramis" (entwickelten guten
Qualitäten) und damit von Individualität. Ihre Erleuchtung
drückt sich in Offenheit, Angstfreiheit und unbegrenzter Liebe und
Mitgefühl aus, die Anteil am Leiden anderer nimmt und es versteht,
sich wirklich dafür interessiert.
Nach dem Buch des buddhistischen Lehrers Dr. Alexander Berzin "Zwischen
Freiheit und Unterwerfung" neigen häufig Frauen zu einem schwachen
Selbst und er weißt darauf hin, dass man für den Weg ein
gesundes Selbst haben muss.
Deshalb sind meines Erachtens Selbstverleugnung, Selbstaufopferung,
Selbstaufgabe, das Nichtannehmen, Nichtachten der eigenen
Persönlichkeit und der eigenen Person, westliche
Fehlinterpretationen.
Dazu sagte Seine Heiligkeit der Dalai Lama (in Wiesbaden 2005 im
kleineren Kreis von ca. 300 Menschen), dass man ein starkes
Selbstvertrauen bzw. Selbstbewusstsein haben muss, um altruistisch
denken und handeln zu können. Dieses starke Gefühl eines Ich,
das mit diesem Selbstvertrauen einhergeht ist kein "Ego" - es ist
unabdingbar für eine altruistische Einstellung. Egoismus ist:
"zuerst ich, dann die anderen". Altruismus: "zuerst die anderen, dann
ich".
Dass die Anhänger sich durch die Gleichschaltung in ihrem
Benehmen, ihrer Sprechweise und Kleidung immer mehr gleichen, kommt
mitunter auch Außenstehenden merkwürdig vor. "Was der
Beobachter hier sieht, ist die Persönlichkeit des
Sektenführers, die über mehrere Stufen nach untern
weitergegeben wurde." Steven Hassan
Kriterium 6
Ängste und Schuldgefühle
Mit der Zeit entwickelt sich im Mitglied ein inneres Kontrollfeld aus
Ängsten und Schuldgefühlen, das verhindert, sich
anderen Gruppen oder Lehrern zuzuwenden. Das ist sehr subtil und das
Ergebnis eines relativen langen Prozesses der Indoktrination durch den
Führer der Gruppe. Bereits bei dem Gedanken, sich an einen anderen
Lehrer zu wenden, entstehen Skrupel oder Gefühle des Verrats.
Durch inszenierte Gruppen-Sit-ins ("Sanghatreffen"), können
Abtrünnige öffentlich gedemütigt, zurechtgewiesen und
wieder "auf Spur gebracht" werden und das dient dann der Abschreckung
anderer.
Dabei wird mit den Mitteln des Festhaltens von Mitgliedern (z.B. die
gehen wollen), des Ignorierens von Mitgliedern (z.B. die konformes
Verhalten nicht (mehr) mitmachen oder kein angepasstes Verhalten mehr
zeigen) und der Zurückweisung von Mitgliedern (die z.B. die Gruppe
oder den Lehrer kritisieren) gearbeitet. Ebenso Strafandrohung von
Höllen, dem Verlust von Gelübden usw.
Das "Geben von Furchtlosigkeit" der Vajrayana Tradition bedeutet aber
genau das Gegenteil: niemanden festzuhalten, niemanden zu ignorieren,
niemanden zurückzuweisen. So entstehen keine Ängste im
anderen.
Diese Ängste können mit einem fehlinterpretierten Auslegen des Begriffes des "Wurzel-Lamas" und der Drohung des Bruches der "Guru - Hingabe" weitgehend gestützt und genährt werden, vor allem wenn man
die Konsequenzen des Verlassens betont und keine Differenzierungen oder
tiefergehende Analysen stattfinden.
Eine weitere Methode ist, die "Degeneration" der Außenwelt
heraufzubeschwören, Gefühle des baldigen Weltuntergangs zu
wecken und wenn diese stark genug sind, die
Erlösungsmöglichkeiten, Geborgenheit und Reinheit in der
Gruppe und beim eigenen Meister zu betonen.
"In allen totalitären Sekten, die ich
kenne, ist Angst ein zentraler Motivationsfaktor... Sekten implantieren
Ängste so geschickt, dass die Opfer sich ihrer Existenz nicht
einmal bewusst sind." Steven Hassan
"Im Zuge meiner Beschäftigung mit sogenannten
Gehirnwäschemethoden in totalitären Systemen, habe ich
herausgefunden, dass der Schlüssel zur Kontrolle anderer Menschen
in der Kontrolle ihrer Schuld- und Schamgefühle liegt." Robert Jay
Lifton - Professor für Psychologie und Psychiatrie.
Kriterium 7
Hohe Ideale werden verbal viel
ausgesprochen, aber weltliche Belange stehen eigentlich im Mittelpunkt
des Handelns und Denkens
Im Buddhismus werden die "weltlichen Dharmas" erklärt, ein Streben
nach Macht und Einfluss, Reichtum, Anerkennung/guter Ruf, Lob und
vorübergehendem Glück. Es kann dann dazu kommen, dass man
viel über Liebe, Mitgefühl, "Reinheit" oder "reine
Sicht" redet, ja glaubt, das alles schon "verwirklicht" zu haben, aber
eigentlich nur Anerkennung sucht, sich wünscht, dass die Gruppe,
der Lehrer bekannter wird. Lehrer können zudem am Gefühl der
Macht oder der sexuellen Gier berauscht sein. Bedingt durch
Expansionswünsche kann Geldinteresse beim Anwerben neuer
Mitglieder im Vordergrund stehen usw.
Im Buddhismus sind solche weltlichen Bestrebungen Nicht-Dharma, da
diese Dinge flüchtig sind, keine Essenz haben und von geistiger
Entwicklung abhalten.
Statt sich der eigenen inneren geistigen Entwicklung zu widmen, werden
Mitglieder der Gruppe durch das Versprechen von "spirituellen
Verdiensten" dazu angehalten, für die Gruppe zu arbeiten, sich
aufzuopfern und ihr Geld zu geben (bis hin zur Verschuldung). Die
eigentlich wichtigen inneren Übungen, der Drei Höheren
Schulungen (Ethik, Konzentration, Weisheit), des Studiums, der
Kontemplation und der Meditation bleiben auf der Strecke. Es wird mit
dem Versprechen gelockt: mit genügend "Verdiensten" (Arbeit
für die Gruppe, den Lehrer) erlangt man "Verwirklichungen" auf
natürliche Weise. Zur Stützung dieser These werden
entsprechende Textstellen aus den Schriften zitiert,
allerdings ohne tiefere und ausreichende Differenzierung.
"In einer Sekte gibt es immer etwas zu tun." Steven Hassan
So klebt man Plakate, erstellt Internetseiten,
Broschüren und Flyer, gibt Vorträge, Meditationen, putzt,
kocht und ackert für die Gruppe und dessen Führer bis zur
Erschöpfung mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die dabei
auftretenden Erschöpfungszustände, Leiden, Krankheiten
und andere Schwierigkeiten, die durch den Stress und den Mangel an
innerer Arbeit zunehmenden inneren Konflikte (aufwühlende
Emotionen bzw. ups and downs) werden als Fortschritt oder "innere
Reinigung" verbucht. Es ist zudem ganz selbstverständlich, dass
die engen Mitglieder der Gruppe, die in den Räumen der Gruppe
wohnen, nicht nur kostenlos für die Gruppe arbeiten sondern auch
für Miete, Sozialversicherung, Studien- und Kursgebühren
selbst aufkommen müssen und angehalten werden häufiger zu
spenden oder ihr Vermögen in die Gruppe einzubringen.
»Folgt man dem
Beispiel der Menschen dieses dekadenten Zeitalters, wird man wie sie -
zu einem Hochstapler, der sein Leben damit verbringt, hinter etwas
herzujagen, was unerreichbar ist. Es wird einem wie Kindern gehen, die
so mit ihrem Spiel beschäftigt sind, daß sie Hunger und
Kalte nicht spüren und nicht merken, wie die Zeit vergeht, bis
plötzlich die Dunkelheit hereinbricht, sie sich an die Mutter
erinnern und zu weinen anfangen. Wenn Sie eine Menge ehrgeiziger
Pläne im Kopf haben, Handel treiben, Schüler um sich sammeln
und sich selbst als Lehrer etablieren, werden Sie sich wie eine Spinne
in Ihren eigenen Netzen fangen. Das ganze Leben hindurch an Ihren
Netzen spinnend, merken Sie nicht, wie schnell die Zeit vergeht, bis
Sie eines Tages ganz plötzlich entdecken müssen, daß
der Tod vor Ihnen steht. Ihre ganze Energie haben Sie eingesetzt, durch
alle Arten von Schwierigkeiten sind Sie gegangen, aber im Gegensatz zu
den Prüfungen auf dem Weg der spirituellen Praxis haben diese
Ihnen nicht im Geringsten geholfen, sich weiterzuentwickeln! Wenn Ihnen
also das Wohl der Wesen wirklich am Herzen liegt, arbeiten Sie an
erster Stelle an ihrer eigenen Vervollkommnung.« Dilgo Khyentse Rinpoche
Kriterium 8
Unfreiheit und Abhängigkeit
In andere Klöster, zu anderen Lehrern, andere Zentren oder
Traditionen zu gehen ist unmöglich, ein Verrat, ein Mangel an
Vertrauen, ein Zeichen von Instabilität, Verwirrung usw. Das kann
soweit gehen, dass nur die Bücher des Lehrers gelesen werden, die
angeblich alles enthalten, so dass es nicht nötig ist, andere zu
studieren oder der Lehrer bestimmt was "authentisch" ist und was nicht.
Des Weiteren entstehen durch die Dynamiken in der Gruppe
Abhängigkeiten auf finanzieller, emotionaler und geistiger Ebene,
die einen Ausstieg fast unmöglich machen. Das kann sich darin
äußern, dass man große Schulden der Gruppe
gegenüber hat, fest in die Gruppenstrukturen involviert (und
verwickelt) ist - z.B. durch wichtige Aufgaben und Funktionen, keine
Freunde außerhalb der Gruppe mehr hat und es durch die
Herabsetzungen anderer Lehrer oder Autoritäten scheinbar
unmöglich ist, "authentischen" Buddhismus außerhalb der
Gruppe empfangen zu können. Dann setzt man einen Weggang mit einem
tiefen Absturz gleich.
Kriterium 9
Den Lehrer zu hinterfragen ist tabu
Unstimmige oder falsche Informationen in der Biographie des Lehrers
dürfen nicht hinterfragt werden, sind tabu. Es kursieren
verschiedene Aussagen zu seiner/ihrer Vergangenheit und jeder hat
andere Informationen. Ein wirkliches Prüfen ist nicht möglich
oder bleibt einseitig und unvollständig. Um die Autorität
sicher zu stellen schmückt sich der Lehrer mit Titeln oder mit
anderen Lehrern die Titel haben, die ihn/sie aber gar nicht richtig
kennen. Alles verklärende Lobeshymnen verhängen einen
vorurteilsfreien Klarblick, der Schüler wird als unmündig
hingestellt, den Lehrer und die Unstimmigkeiten korrekt prüfen zu
können.
Der Lehrer hat keine wirkliche ICH-Losigkeit verwirklicht, tut aber so
und täuscht sich und andere mit falschen, halbwahren oder
täuschenden Details in seiner Biographie, über seine eigene
Entwicklung. Der Lehrer leidet vielleicht an Stolz, Arroganz oder
Größenwahn und Wahrnehmungsverschiebungen, die wenn der
Schüler das mitbekommt aber als Projektionen des Schülers
bezeichnet werden. Der Lehrer ist unfehlbar. Der Schüler ist
schuld.
Der Schüler hat nur die falsche Sicht, ist nicht rein genug, den Lehrer als rein sehen zu können.
Der Schüler ist eben gewöhnlich, der Lehrer heilig.
"Gewöhnliche Wesen können heilige Wesen nicht erkennen". "Alles nur Deine Projektion."
Kriterium 10
Kein echter Austausch mit anderen Gruppen, Lehrern und Klöstern
Es gibt keine wirkliche Kooperation mit anderen Gruppen, keine
Einladung von Lehrern anderer Traditionen oder Gruppen. Abgeschnitten
und isoliert, nur pro Forma gibt es dort oder dort einen Kontakt, der
aber so ist, dass nie ein Gruppenmitglied auf die Idee kommen
könnte, in die andere Gruppe oder zu einem anderen Lehrer zu
gehen. Es bleibt eine geschlossene "offene Begegnung" von
Scheintoleranz.
Kommen doch solche Begegnungen zustande, dienen sie mehr der Gruppe,
ihrem Ruf, als das ein wirkliches aufrichtiges Interesse dahinter steht.
Kriterium 11
Es ist unmöglich ohne Probleme die Gruppe zu verlassen
Das Gruppenmitglied hat jede innere Freiheit verloren, sich frei zu
sagen: Ich gehe! oder ist wie blockiert diesem Gedanken oder gar der
Handlung nachzugehen. Es ist unmöglich darüber zu reden oder
sich jemanden zu öffnen. Offiziell ist es möglich zu gehen,
innerlich aber nicht.
Ausweglosigkeit, Selbstmordgedanken, Alpträume können jetzt mühelos entstehen.
Es kann recht hilfreich sein, wirklich seine Träume zu betrachten.
Von Ehemaligen weiß ich, dass sie z.B. wiederholt Träume
hatten, in einem Gefängnis gefangen zu sein und der Leiter
träumte, Häuser ohne Fundament zu bauen. Andere typische
Träume sind, sich verirrt zu haben oder verletzt zu sein.
"In einer totalitären Sekte gibt es niemals einen legitimen Grund auszusteigen." Steven Hassan
Anhängern wird erzählt, die einzigen
Gründe, weshalb die Leute die Gruppe verließen, seien
persönliche Schwäche, Geisteskrankheit, Stolz,
"ihr gutes Karma hat sich erschöpft", "ihr früheres
negatives Karma war stärker", "Ego", Verblendung, Verführung,
"Fehler in der Guru Hingabe" usw.
Kriterium 12
Unfähigkeit zur Selbstkritik und der Umgang mit "Ex-lern" der Gruppe
Selbstkritik, Kritik an der Gruppe, das Eingestehen von Fehlern, das
dankbare Verabschieden von Gruppenmitgliedern, die gehen möchten
und viel geleistet haben, findet nicht statt. Adressen, Telefonnummern
Ehemaliger werden nicht herausgegeben, sie werden i.R. recht zügig
aus dem Gedächtnis der Gruppe gelöscht. Ihr Name sollte
besser nicht erwähnt werden (oder wenn, dann als abschreckendes
Beispiel eines Verirrten). Nach ihrem Weggang, kann man auch nichts
Gutes über sie erzählen, denn sie sind ja "falsch" (weil die
Gruppe ja so "richtig" ist) und irgendetwas hat schon immer nicht mit
ihnen gestimmt "das wissen wir doch alle, oder?"
Kritik an der Gruppe, zeigt außerdem, dass die Gruppe/der Lehrer
Recht hat. Kritik kommt, weil der andere unfriedlich, voller Hass,
Groll oder negativ ist oder weil er/sie eifersüchtig auf die
Erfolge der Gruppe oder Ihres Leiters ist.
Kritik wird z.B. auch geblockt, indem man sie als "unreine Sicht", "unreine Sichtweise" oder "Sanghaspaltung" bezeichnet usw.
Vielschichtige Probleme und komplexe Situationen werden
zu Begriffen reduziert und mit sprachlichen Etiketten aus dem
Buddhismus versehen, wie "das ist Karma", "das ist leer", "das ist ganz
negativ" usw. Diese dienen dann als Erklärungsmuster für die
alltäglichen Dinge und prägen die Sprache der "Sekte". Durch
das geistige und verbale Etikettieren von Situationen und Problemen,
ihre Reduktion auf einfache Begriffe, leugnet man ihre Komplexität
wodurch ein Gefühl von Sicherheit; Einfachheit und Verstehen
der Zusammenhänge entsteht. In Wirklichkeit verhindert dieses
Etikettieren reflektierendes Nachdenken und hält die
Scheinwelt der Gruppe und ihres Führers gegenüber der
Außenwelt aufrecht.
Zweifelt dagegen ein Anhänger an der Gruppe oder dem Lehrer, wird
er immer den Fehler bei sich suchen, sich die Schuld geben. Denn
die Gruppe ist makellos, der Guru heilig, also liegt der Fehler bei
ihm. Das ist aber keine Selbstkritik, sondern Ausdruck einer
erfolgreichen Indoktrination.
Kriterium 13
Verwendung indirekter Rede und wager Andeutungen
Um das "makellose Bild" des Lehrers aufrechtzuerhalten (vor allem wenn
es bereits viel Kritik von anderen Buddhisten, Wissenschaftlern,
Ex-lern oder der Presse gab), werden an anderen Lehrern oder Gruppen
(Traditionen) Fehler herausgearbeitet. Sie werden auf subtile Weise
(z.B. durch indirekte Rede, durch wage Andeutungen) oder auf
grobe Weise als inkompetent und fehlerhaft dargestellt. Mitunter wird
einfach eisig geschwiegen, wenn von anderen Lehrern oder Gruppen
erzählt wird oder es wird auf ein anderes Thema gelenkt, mit einer
Floskel reagiert, der Raum verlassen usw.
Gruppen mit einem sektenähnlichen Hintergrund sind häufig
"Meister der indirekten Rede", des Andeutens, verbunden mit Lob sich
selbst gegenüber und Herabsetzungen anderen gegenüber. In der
Eigenpräsentation wird geschickt mit Halbwahrheiten,
Aufblähungen und Verdrehungen gearbeitet, letztlich mit dem Ziel,
sich selbst in ein positiveres Licht zu setzen und besser als andere
Gruppen dazustehen, um so neue Schüler zu werben und an die Gruppe
zu binden. Manche Gruppen präsentieren sich auch als die
alleinigen Vertreter einer ganzen buddhistischen Schulrichtung, als ihr
einziger und authentischer Bewahrer; bis dahin, dass sie sich
selbst als die letzten, authentischen Bewahrer der gesamten Lehren
des Buddhismus "in dieser degenerierten Zeit" sehen.
Sich aus Begehren nach Profit, Lob, Liebe
und Respekt selbst zu loben und andere herabzusetzen, gilt
als ein grober Verstoß des ersten
Bodhisattva-Hauptgelübdes, kann also ruhig als völlig
außerhalb der Mahayana-Lehren stehend wahrgenommen werden.
Steven Hassan bezeichnet Kulte, wegen ihrer
Fähigkeit Dinge zum eigenen Vorteil zu verzerren und zu
verdrehen, auch als "Meister der Unschärfe".
Viele Dinge, die die (unausgesprochenen) Regeln
und Ansichten der Gruppe ausmachen, werden mit indirekter Rede
etabliert. So muss man, um z.B. den elitären Charakter der
Gruppe oder seine Feindseligkeiten gegenüber anderen
Autoritäten im Buddhismus zu etablieren, nicht direktes Lob oder
Kritik anwenden, statt dessen wird indirekt geredet (also drumherum),
z.B. "Nun ja der Dalai Lama ist ein Politiker, wir praktizieren reinen
Dharma." oder "Wir haben eine besondere Linie, wir müssen uns
nicht mit anderen vergleichen." oder "Wir brauchen doch keine anderen
Texte (als die aus unserer Schule) zu lesen, in unseren Texten ist doch
alles enthalten was wir brauchen." (Der Vielfalt sind hier keine
Grenzen gesetzt. Ich denke, es ist letztlich wichtig, auf die Aussage
zwischen den Zeilen zu achten und die subtile Meinungsmanipulation
durch "wir-Aussagen" wahrzunehmen und deren Aussagegehalt zu
prüfen.)
Kriterium 14
Nur der eigene Lehrer ist im Besitz der Wahrheit
Der eigene Lehrer ist die einzige oder wesentliche Quelle der
Information und wird als absolute Autorität gesehen. Was von
seiner Sicht abweicht, wer ihn nicht anerkennt, sich von ihm abwendet,
ihn kritisiert, muss falsch oder verblendet sein. Was er oder sie sagt,
ist gültig.
Das äußert sich dann in Formeln, die gebetsmühlenartig
wiederholt werden wie: "Der Lehrer hat dies gesagt...", "Der Lehrer hat
das gesagt..." Was andere Quellen der Information sagen, selbst wenn es
die Schriften oder andere spirituelle Autoritäten sind, hat kein
Gewicht, wenn es nicht die Aussagen des Lehrers unterstützt. Damit
wird ein gefährlicher Prozess eingeleitet: Der Lehrer schafft die
Realitäten für die Gruppe und sichert sich so die absolute
Macht.
Kriterium 15
Kontrolle der sozialen Beziehungen
Durch die starke Abschottung ist man i.R. "natürlicher Weise" von
einem sozialen Feld außerhalb der Gruppe getrennt. Aber auch
innerhalb der Gruppe werden die Kontakte der Mitglieder kontrolliert.
Menschen, die sich emotional oder geistig nahe kommen, sich befreunden,
ermöglicht dies auf einer intimeren Ebene auch das Austauschen von
Zweifeln, denn man öffnet sich nur, wenn der andere wirklich
verlässlich ist und man Annahme spürt, wenn also wie bei
einer guten Freundschaft, ein vertrauensvolles Verhältnis
möglich ist.
Dieser persönliche Kontakt ist aber potentiell gefährlich,
wenn der/die LeiterIn der Gruppe sowieso alle Informationen
kontrolliert, hier könnte sich etwas seiner/ihrer Kontrolle
entziehen, deshalb wird er/sie diese Beziehungen geschickt stören
und Zwietracht sähen, um die Beziehung und die Menschen in der
Gruppe weiter unter Kontrolle zu halten.
Die Beziehungen werden z.B. durch Aushorchen/Ausfragen, freiwillige
Meldungen der Gruppenmitglieder über die Kontakte anderer
Mitglieder, aber auch Öffnen der Post, oder Kontaktverbote mit dem
Hinweis: "das ist unheilsam für Dich", "das ist kein guter
Einfluss" usw. "nur um Dich zu schützen" kontrolliert. Zuerst also
Informationsbeschaffung, dann Ausspielen der Informationen,
Kontaktempfehlungen oder Verbote im Interesse der Kontrolle und damit
des Machterhalts.
"Echte Freundschaften sind eine Belastung und
werden heimlich von der Sektenführung unterdrückt. Die
emotionale Bindung und Orientierung des Mitglieds soll vertikal (zum
Führer), nicht horizontal (zu Gleichgesinnten) sein." Steven
Hassan
Die Außen-Beziehungen lassen sich über
die üblichen Schwarz-Weiß-Bilder kontrollieren, hier eben
in buddhistische Begriffe gehüllt:
Die außerhalb der Gruppe, oder die Kritiker, oder Ehemalige, oder
das, was diese kritisch gegenüber der Gruppe äußern ist
"weltlich" oder "Schmutz", "ganz schlimm negativ"; sie sind in Samsara
verfangen, drehen damit nur noch weiter "ihr Rad des Samsara",
folgen ihrer Negativität, schaden anderen. Nur hier bei uns in der
Gruppe ist noch der Hort des Guten, des Reinen, der Besseren
Menschen, wir haben noch "soviel gutes Karma" und folgen noch "dem
Reinen Pfad". Die dort und die Zeiten sind "degeneriert",
"fehlgeleitet", finster usw. also die übliche
Weltuntergangsstimmung. Das heißt, wer die Gruppe verlassen
würde, wer zu "denen" geht, wird zwangsläufig auch
untergehen, negativ, weltlich, "in Samsara verfangen" bleiben.
So hat man keine wirkliche Zuflucht, weder in der Gruppe noch außerhalb.
Eine äußerst trostlose Situation.
Weitere Gefahren können entstehen durch:
-
Ungesunde, falsch verstandene "Hingabe", falsch verstandenes "Vertrauen". Begriffe wie "Hingabe" und "Vertrauen" werden missverstanden als naiver, blinder
Gehorsam oder Gefolgschaft des Unterwerfens bzw. Unterordnens. Der Begriff Vertrauen (tib. daypa, dad-pa)
ist definiert als: "volles Vertrauen in etwas wirklich Existierendes,
im Hinblick auf gute Eigenschaften besitzende Personen (oder Objekte);
als eine sich innerlich abklärende Zuversicht; sowie das
Sich-Sehnen nach eigener Verwirklichung dieser Eigenschaften. Sie dient
als Grundlage Bestreben einzuleiten." Die drei Stufen des Vertrauens
sind: 1. man hört eine Sache oder sieht eine Person und ist
tief berührt: die Tränen kommen, man bekommt Gänsehaut,
die Härchen richten sich auf..., dies ist 'Inspiriertes
Vertrauen' 2. man erlangt eine tiefe innere Zuversicht,
Überzeugung und Gewissheit, dass diese Qualitäten
tatsächlich existieren..., dies ist 'Überzeugtes
Vertrauen' 3. ein inneres Bestreben setzt ein, diese Qualitäten
auch zu entwickeln, in sich zu entfalten..., dies ist 'Anstrebendes [wünschendes]
Vertrauen'. Im Kommentar zu Gampopa's Juwelenschmuck der Befreiung erklärt Ven. Ringu Tulku Rinpoche die drei Arten von Vertrauen in
folgender Reihenfolge: 1. inspiriertes Vertrauen, 2. anstrebendes
Vertrauen, 3. überzeugtes Vertrauen und betont, dass das
überzeugte Vertrauen, die tiefste Form von Vertrauen ist. Dieses
vollständige Vertrauen basiert auf Verstehen: "Haben wir
vollständiges Vertrauen, haben wir auch vollständiges
Verstehen." "Wenn wir über Vertrauen reden, reden wir
hauptsächlich über Verstehen." (Meines Erachtens sollte der
Anwender im Westen zudem bedenken: Vertrauen beginnt mit
Selbstvertrauen in die eigene grundreine Natur (Buddhanatur), damit
beginnt auch der Lamrim von Gampopa. Im Lamrim von Gampopa wird dann
das Vertrauen in den Dharma betont, bevor er zum Vertrauen in einen
spirituellen Lehrer beginnt. Auch der Lamrim von Atisha beginnt nicht
mit dem Vertrauen in einen spirituellen Lehrer, sondern dem Erkennen
der kostbaren menschlichen Existenz und was man daraus machen kann,
ebenso der Lamrim der Nyingma Tradition (Patrul Rinpoche: Worte meines
vollendeten Lehrers) führt das Thema nicht am Anfang ein. Erst Je
Tsongkhapa änderte die Reihenfolge für die damalige Zeit und
vor allem Vajrayana-Praktizierende mit Grunderfahrungen im Sutra.) Zur
Vertiefung siehe auch: Klärung des Begriffes Vertrauen (tib.: daypa, dad-pa; hier als "Glauben" übersetzt), Klärung des Begriffes Hingabe, Die spirituelle Lehrer-Schüler-Beziehung und Beziehung mit einem spirituellen Lehrer in zwei Leben
-
Der tiefgründige tantrische "Guru-Yoga", der
keine Anfängerpraxis ist, wird zudem häufig mit
"Guru-Hingabe" gleichgesetzt und als Aufforderung unbedingen
Gehorsams missverstanden.
-
dogmatisches, wörtliches Auslegen der Lehre
-
oberflächliches oder falsches Buddhismus-Verständnis
-
Lehrer, denen eine Linie fehlt oder die vorgaukeln eine zu besitzen oder sich selbst als Lama bezeichnen, die sich selbst nicht als Schüler sehen, sondern als sehr weit entwickelt.
»Lehrer,
die unbedingt aufgegeben werden müssen: Lehrer, die keiner Linie
angehören, die keiner Übertragungslinie angehören, die
sich aber selbst Lama nennen, oder die kein Wissen, nicht gehört,
nachgedacht, meditiert haben oder die keinen Lungh oder mündliche
Erklärungen zu Einweihungen bekommen haben; die fürchterlich
Stolz sind und die Lehren nur auf sich beziehen, die sich selbst als
toll bezeichnen, sich selbst erhöhen, um Schüler zu werben.
Solche Lehrer haben keine Geduld, wenn auch nur ein Wort des Zweifels
gegen sie gerichtet wird. Sie sollten aufgegeben werden, weil sie
Schüler auf falsche Pfade führen.« S.E. Gangteng Tulku Rinpoche, Berlin 2003
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»Menschliche Güte kann man bei allen Menschen finden, sie findet sich also auch bei der Gruppe,
deren pauschale Verurteilung doch gewiss sehr nahe liegt.« (Viktor E. Frankl)
Haben Dharma-Gruppen mit "sektenähnlichen Strukturen" auch gute Seiten?
Ja klar! Sonst würde sich ja niemand darauf einlassen.
Alle die ich kenne, haben sogar sehr viel Gutes erfahren. Dieses Gute
ist individuell unterschiedlich. Das kann ein familiäres
Gefühl, Geborgenheit sein. Eine Entlastung durch das Aufgeben der
eigenen Autonomie und Entscheidungsverantwortung (die Verantwortung
wird ja vom Lehrer getragen, er/sie weiß ja, ich weiß eben
nicht. Also machen wir es so wie er/sie sagt.) Man folgt, muss nicht
mehr so viel nachdenken und sich entscheiden. Auch trägt die
Verantwortung nicht mehr der Einzelne, sondern der Lehrer und die
Gruppe; das fühlt sich dann schon erleichternd an, einfacher, als
in einer zunehmend komplexen Welt für sich selbst und den eigenen
Weg die Verantwortung zu übernehmen.
Durch die Geborgenheit, ein Gefühl von Vertrautheit oder Familie,
die "klaren Unterscheidungen" von: 'das ist richtig' und 'das ist
falsch', können auch Ängste, Einsamkeit und Depressionen
abnehmen. Durch die starke (Regel-)Kontrolle, andere, höhere
spirituelle Werte, können auch Suchtmuster überwunden werden.
Durch ein einfaches Auslegen der Lehre, die Begrenzung auf wenige
ausgewählte Bücher des "Meisters" oder auch nur auf einen
Lehrer, wenige inhaltliche Themen, ist es einfacher einen
Überblick über den Buddhismus zu bekommen, man wird schneller
heimisch, entwickelt schneller Selbstvertrauen, Selbstsicherheit. Die
Abschottung vom Aussen, stärkt die Konzentration, die
Geradlinigkeit auf dem Weg, lässt einen vielleicht schneller zu
Erfahrungen kommen. Die Aufteilung in "richtig" und "falsch" löst
tiefes Grübeln und Zweifel auf. Man muss nicht viel denken, folgt
nur und alles wird gut und irgendwie gehts einem ja auch (vielleicht)
ersteinmal besser als vorher.
Dann kommt noch hinzu, dass der Dharma, die Lehre des Buddhas, selbst
wenn sie missbraucht wird, sehr wirksam ist, so dass man in ihrer
Anwendung gute Erfahrungen macht, positive Veränderungen
feststellt, die man bisher nicht machte und die einem dadurch wirklich
wertvoll sind. Die Lehren sind nun einmal sehr wirksam, besonders dann,
wenn man Vertrauen in sie hat.
Die guten Erfahrungen resultieren aus dem "wechselseitig bedingten
Entstehen", dem Entstehen in Abhängigkeit. Für gute
Erfahrungen bedarf es vieler Faktoren: Dem Bezugsobjekt, Karma,...; vor
allem aber, dass man selbst Vertrauen in eine Person/Sache setzt.
Die guten Erfahrungen sind also auch eine Reflektion der eigenen reinen
Natur, des eigenen Vertrauens, der eigenen Offenheit, Hinwendung und
inneren Mitgefühls; sie wurden in Abhängigkeit der
Bezugspersonen gemacht. Dieselben guten Erfahrungen kann man auch
machen, wenn man diese inneren Einstellungen anderen Menschen
gegenüber entwickelt.
Im Buddhismus gibt es das Beispiel mit dem Hundezahn, den eine Frau als
Reliquie verehrte und dadurch "Realisationen" erlangte und in der
Wissenschaft das Beispiel des Placebo-Effekts: Heilung durch Vertrauen
ohne Qualitäten auf der Seite des Heilmittels. Der positive Effekt
wäre natürlich wesentlich größer, wenn das
Bezugsobjekt tatsächlich vertrauenswürdig und mit
großen spirituellen Qualitäten ausgestattet ist. Ansonsten
ist ein Lehrer mit Missbrauchstendenz regelrecht Gift, weil er im
Gegensatz zu Hundezahn und Placebo-Präparat belebt ist und falsche
Gedanken in den Geist setzten kann, die auch das spirituelle Leben
zukünftiger Existenzen vergiften und zerstören können.
Gute Erfahrungen und positive Eindrücke allein bieten leider keine Garantien, denn...
"Es ist nicht immer leicht einen mitfühlenden von einem mörderischen Guru zu unterscheiden." Robert Jay Lifton
Auch die Schüler Shoko Asharas (AUM Sekte) beschrieben Trainings bei ihm als außerordentlich
intensiv und außerordentlich belohnend - eine Erfahrung hoher
Energie. Schüler von ihm hatten Visionen. Ihn selbst beschrieben
sie als außerordentlich würdevoll und gelassen, er war
für sie ein echter und "erfolgreicher" religiöser
Führer. Asahara bot seinen Schülern einen Sinn für
Gemeinschaft, einen spirituellen Anker, er gab Vorträge und
führte zu intensiven Erfahrungen. Seine Anhänger band er mit
dem "Guru Yoga" des Tibetischen Buddhismus, des
Karmaverständnisses u.a. Lehren (die er entsprechend seiner Ziele
interpretierte) an sich. Nach außen bediente er
sich geschickt der Medien (wie TV und Talkshows) und
ließ sich mit bekannten geistigen Größen des
Buddhismus, wie z.B. auch S.H. dem Dalai Lama, fotografieren und
behauptet später, sie hätten seine Qualitäten
anerkannt. (Näheres dazu siehe Tricycle Winter 97.)
Eine Überlebende von Jonestown sagt "Ich liebte Jonestown. Dort verbrachte ich die schönste Zeit meines Lebens". Von all den Ungereimtheiten, dem Zwang, der Gewalt usw. hat sie scheinbar nichts bewusst wahrgenommen oder diese schlicht ausgeblendet; vermutlich, um ihre Vision eines neuen und erfüllten religiösen Lebens aufrechterhalten zu können. Schließlich holten die Wirkkraft der unheilsamen Gruppenstrukturen und die Wirkkraft des geistig kranken religiösen Anführers die Mitglieder der Sekte ein und führte sie in den kollektiven Massenselbstmord.
Nichts ist nur schlecht.
Jeder Mensch hat zudem gute Qualitäten und nicht nur Fehler, so
kann man auch sehr viel Inspirierendes vom Lehrer und den
Gruppenmitgliedern erfahren, sie sind ja keine Monster, sie sind
Menschen, sie glauben nur stark an sich und ihre Sache und sie haben
wirklich auch liebenswürdige und gute Seiten! Man hat ja auch sehr
gute Erfahrungen mit ihnen. Es ist ja nicht so, dass sie sich
bewußt entschieden haben, andere zu verführen und
Sektenmitglieder zu sein, ganz im Gegenteil, sie traten an, für
etwas Höheres, etwas Besseres, das Gute, um ein "besserer Mensch
zu werden", "ein gutes Herz zu entwickeln.", "Leid zu überwinden"
oder "die Erleuchtung zum Wohle aller zu erlangen".
Schließlich hat man auch selbst gute Qualitäten (Tugenden) entwickelt:
- man ist nicht mehr so geizig - hat gelernt großzügiger zu sein
- man lässt unwichtige alltägliche Dinge los - engagiert sich für eine bessere Sache
- man löst seine Selbstzentriertheit - setzt sich
für andere, die Gruppe, höhere Werte ein, ja den Weltfrieden
ein
- man entwickelt Hingabe, macht tiefe Erfahrungen und löst sich von eigenen Schattenseiten
- u.v.m.
Und am Anfang, als man noch nicht so tief drin
steckte, war es ja auch wirklich sehr inspirierend, erst später,
je tiefer man hineinrutschte, je mehr man sich einließ, da kamen
ja erst die Schwierigkeiten....
Und das ist dann der Punkt der einen Abschied wirklich schwer macht:
Man hat soviel Gutes, so viel Inspirierendes erfahren, das man nicht
missen möchte, man merkt aber auch, dass so vieles unstimmig ist
und ist schier zerrissen. hin und her gerissen....
hin und her....
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»Der
Erfolg einer Gruppe, ihre starke Verbreitung ist nicht
zwangsläufig ein Zeichen von Seriosität: Scharlatane haben
heute mehr Erfolg als echte Meister« (Patrul Rinpoche)
Westliche Gruppen mit Ordinierten
Dass in einer Gruppe viele Ordinierte (Mönche und Nonnen) leben,
oder sie viele hunderte oder tausende Mitglieder hat, oder in der
ganzen Welt verbreitet ist, ist keine Garantie, dass es keine "Sekte"
ist oder dass keine sektenähnliche Strukturen existieren.
Gleich nach der Ordination sollte man entweder im
Kloster ein Training gemäß der Vinaya aufnehmen oder unter
einem gut qualifizierten, erfahrenen und vollordinierten Tutor
studieren, bis man Standfestigkeit und Gelehrsamkeit mit den 5
Qualitäten besitzt. Lebt man nicht beim Abt, der natürlicher
Weise dann der persönliche Tutor wäre, sucht man einen
Vollordinierten auf, der gut qualifiziert ist, als Tutor zu fungieren.
Dieser wird durch eine Zeremonie als persönlicher Tutor
angenommen. Man geht dabei eine wechselseitige Beziehung ein, die mit
gegenseitigen Verpflichtungen verbunden ist. Werden diese gegenseitigen
Verpflichtungen von einer Seite nicht beachtet, endet die Beziehung.
Der Eindruck totaler Abhängigkeit, der dabei
entstehen könnte oder auch manchmal von besitzergreifenden Lehrern
gerne vermittelt wird, um Schüler oder Ordinierte an sich zu
binden, ist aber nicht richtig. Der Übende ist ein mündiger,
erwachsener Mensch. Klassisch geht man so vor (Information von Dr. A.
Berzin): Man geht zum Abt/Tutor und bittet um Erlaubnis: Ich
möchte dies und das tun, denkst du es gibt einen Grund, dass es
nicht gut wäre das zu tun? Wenn der Abt/Tutor eine Begründung
dagegen hat, die Sinn macht, nimmt man den Rat an, wenn nicht, muss man
ihm nicht folgen.
Wenn also Lehrer ihren Mönchen und Nonnen
verbieten oder sie daran hindern, in andere Klöster oder zu
anderen Lehrern zu gehen, ist höchste Vorsicht geboten. Trotz der
Beziehungen, die man einging, sind Ordinierte freie Menschen mit freier
Wahl und haben sich nicht als Sklaven an jemanden verkauft. Patrul
Rinpoche antwortete auf die Frage: "Wessen Mönch bist Du?" "Ich
bin Buddha Shakyamunis Mönch." Letztlich geht es auch hier um den
"mittleren Weg": weder sollte die Beziehung zu totaler
Abhängigkeit führen, noch so lose sein, dass man einfach
seiner Tagesmeinung folgt.
Choje Lama hatte Je Tsongkhapa, den großen
Reformer und Gründer der Gelug Schule, seit seiner Geburt betreut,
lehrte ihn und gab ihm Einweihungen. Je Tsongkhapa fasste den
Entschluss nach Zentraltibet zum Studium zu gehen. Choje Lama sprach
später mit Je Tsongkhapa darüber, denn es war auch sein
Wunsch, was Je Tsongkhapa mit großer Freude erfüllte. Je
Tsongkhapa ging in ein langes Meditationsretreat und verließ dann
Amdo mit 16 Jahren, ohne seinem Lehrer noch einmal unter die Augen zu
treten. Das war zwar eigentlich ein Fehler, aber er kam dafür
nicht in die Hölle! (Quelle dazu: "Quellort allen Glücks",
bekannte tib. Biographie)
Später riet ihm einer seiner wichtigsten Lehrer, der Sakya-Meister
Rendawa, jetzt Klöster zu bauen und zu lehren. Er prüfte das
für sich, folgte dem Rat aber nicht und ging stattdessen für
lange Zeit in Retreat (Quelle dazu: Dr. Thomas Lautwein, Choekor).
Das zeigt wie mündig ein Schüler ist und sein sollte.
Obwohl Je Tsongkhapa im 3. Lebensjahr vom 4.
Karmapa, Rolpai Dorje, die Upassika Gelübde erhielt (auch die
fünf Shilas oder fünf Laiengelübde genannt), war er
nicht dessen Besitz und deswegen auch nicht zwangsläufig ein
Kagyupa. Genauso studierte und hörte Je Tsongkhapa bei allen
großen Meistern seiner Zeit (unabhängig von einer
spezifischen Traditionszugehörigkeit) und war ein absoluter
Skeptiker der schriftlichen Kommentare von Tibetern. Er orientierte
sich vor allem an den indischen Sanskrit-Schriften, seinem Verstand und
inneren Visionen, die er auch gegenprüfte! (Quellen: "Quellort
allen Glücks" und Chökor) Weiteres zu seiner Biographie hier.
Ist es unmöglich oder sehr schwierig, dass Ordinierte selbst
mitbestimmen können, wo sie sich spirituell entwickeln, wo und mit
wem sie studieren, ist meines Erachtens große Vorsicht geboten.
Vor allem im Westen gibt es sehr wenig Erfahrung mit
buddhistisch-klösterlicher Tradition.
Ordinierte gehören keinem Lehrer oder Kloster, sie sind nicht deren Besitz.
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»Man
wird immer finden, dass diejenigen, die wirklich wissen, die
bescheidensten Menschen sind, und dass ihnen nichts ferner liegt, als
dasjenige, was die Menschen Machtgelüste nennen.« (Rudolf Steiner)
Anvertrauen an den Lehrer im Westen
Überstürzt oder weise?
In manchen tibetisch-buddhistischen Dharma-Zentren scheint die erste Frage zu sein, ob man schon einen Wurzel-Guru hat und es wird betont, man bräuchte unbedingt einen Lehrer - auch
gleich oder gerade am Anfang. Mit welchen Begründungen das auch
immer geschieht, mir scheint hier größte Vorsicht geboten,
da solche Konzepte den Westler leicht überhastet in eine
vielleicht unreife und zu schnell eingegangene
Lehrer-Schüler-Beziehung stürzen mit allen schwerwiegenden
und leidvollen Nebenwirkungen.Was wäre dann am Anfang zu tun?
Seine Heiligkeit der Dalai Lama warnt immer
wieder vor einem zu schnellen, ungeprüften Anvertrauen; ich denke,
weil er sehr wohl weiß, wie viele Probleme bisher dadurch schon
entstanden sind. Er empfiehlt anfangs auch ohne Lehrer zu arbeiten,
sich Bücher über den Buddhismus zu besorgen, diese zu lesen
und sich über die buddhistischen Inhalte ein erstes
Grund-Verständnis anzueignen. Man kann also anfänglich das
ABC des Buddhismus durch Selbststudium lernen und sich damit Schritt
für Schritt vertraut machen. Wenn man dann mündliche
Erklärungen hören möchte, geht man ganz unverbindlich zu
buddhistischen Lehrern bzw. Zentren und hört erst einmal zu und
sieht den Lehrer, der unterrichtet als "Freund im Dharma". Erst wenn
man genügend grundsätzliches Dharma-Verständnis hat, die
eigene Dharma-Weisheit gereift ist, wird man allmählich in die
Lage versetzt, die Lehrer und was sie lehren prüfen zu können
und kann sich diesem Vorgang des Prüfens mit dem nötigen
Grundverständnis und der nötigen Sorgfalt widmen.
Was ein Schüler für Qualitäten
besitzen muss, um sich überhaupt den Lehren richtig zuwenden zu
können, ist hier zu finden. Weitere Informationen zum Annähern an den tibetischen Buddhismus stehen hier.
Im tibetischen Buddhismus werden häufig die
Beispiele von Naropa zu Tilopa und Milarepa zu Marpa erwähnt. Vor
allem deshalb, weil es Ausnahmebeispiele sind, nicht weil sie so
üblich sind. In Gruppen mit sektenähnlicher Struktur, werden
diese Beispiele gerne missbraucht, um unbedingten Gehorsam
einzufordern, ansonsten gibt es keine Erleuchtung.
Der Anwender sollte aber wissen: Diese Beispiele
kommen aus dem Vajrayana, einem fortgeschrittenen Fahrzeug, für
dessen Praxis man eine echte Dharma-Grundlage haben und wirklich
qualifiziert sein muss. Der Pandit Naropa war einer der vier Äbte
von Nalanda und war einer der wenigen, die Dharma von Nicht-Dharma
unterscheiden konnten. Naropa traf nach großer innerer
Entwicklung, breitem und tiefen innerem Wissens, an einem Punkt wo es
nichts weiter mehr für ihn zu lernen gab, und auf der Basis einer
Vision auf Tilopa. Auf welchen westlichen Schüler trifft das
zu???
Das kann man sicherlich nicht auf die westliche Situation und westliche
Schüler, Buddhismus im Westen, also eine Entwicklung in
Kinderschuhen, übertragen.
Genauso prüfte Milarepa Marpa, indem er
Feinde von Marpa, neutrale Personen und Menschen, die Marpa wohl
gesonnen waren befragte, bevor er sich ihm anvertraute und er
fühlte tief im Herzen, dass Marpa sein Lehrer ist und nicht weil
jemand ihm Einweihungen gab und dann sagte: 'Ich bin dein Wurzel-Lama!'
Ein gutes Beispiel der Prüfung gab auch der
indische Meister Atisha (der Begründer der Kadampa Tradition), der
seinen wichtigsten Lehrer, Serlingpa von Sumatra, nach
dreizehnmonatiger Reise nach Indonesien, zuerste ein halbes Jahr lang
vor Ort prüfte, bevor er überhaupt zu ihm ging und um
Erklärungen bat.
Schließlich wird im Guhyasamaja Tantra eine zwölfjährige Prüfungsphase empfohlen.
Ratschläge zum Anvertrauen:
Akong Rinpoche:
Die Menschen im Westen glauben viel zu leicht
an das was gedruckt ist. Wenn dann Lehrer oder Zentren schöne
Broschüren, Prospekte und Poster haben, wird gleich geglaubt was
darin steht. Dabei ist es häufig so, dass die
Hochglanzbroschüren übertrieben sind oder falsche
Informationen enthalten, z.B. Übertreibungen der Schüler
über die Qualifikation oder Qualitäten des Lehrers, um neue
Schüler / Zentrumsmitglieder anzulocken.Westler glauben sehr
schnell, dass das was gedruckt ist wahr ist und stimmt, "weil es dort
steht". Wenn etwas nicht gedruckt ist, dann existiert die Sache auch
nicht, wie zum Beispiel, wenn jemand keinen Ausweis hat oder ein
Dokument fehlt, das nachweist, dass man Arzt ist usw. dann hat man nur
Probleme und keiner glaubt einem. Gedruckte Sachen öffnen im
Westen leicht alle Türen.
Der nächste kritische Punkt ist, dass Westler immer erst das Gute
sehen, wenn sie eine Beziehung eingehen und die Fehler erst viel
später. Es wäre besser für Westler, zuerst einmal
gründlich alle Fehler zu untersuchen und dann die guten Seiten.
Nach drei Jahren zieht man ein Resümee: Hat die Person mehr
Qualitäten als Fehler, ist die Person als Dharma-Lehrer geeignet.
Hat sie gleichviel Qualitäten wie Fehler oder mehr Fehler als
Qualitäten, ist sie nicht als Dharma-Lehrer geeignet. Ist die
erste 3jährige Prüfungsphase erfolgreich verlaufen,
prüft nun der Lehrer den Schüler für drei Jahre. Sieht
er die notwendigen Qualitäten und ist für ihn der
Schüler geeignet, bleiben sie weitere drei Jahre zusammen und
werten nach den insgesamt neun Jahren aus, ob die Beziehung für
den Schüler fruchtreich ist und Sinn macht. Erst mit der
beidseitigen Bestätigung beginnt die eigentliche
Lehrer-Schüler-Beziehung (im Mahayana / Vajrayana Buddhismus).
Sollte der Lehrer drohen: 'Du gehst in die Hölle, wenn Du mir
nicht gehorchst!' sollte man antworten: 'Und Du auch.'
S.E. Dagyab Kyabgön Rinpoche:
"Wenn der Lehrer einem Schüler nicht erlaubt zu anderen Lehrern zu gehen, sollte man schleunigst die Koffer packen."
Die 10 Qualitäten eines Mahayana-Lehrer nach Buddha Maitreya (im Mahayana-sutralamkara):
"Verlasse dich auf einen Mahayana Lehrer, der
diszipliniert, ruhig und vollkommen im Frieden ist [durch die
Praxis der drei höheren Schulungen]; der an Qualitäten dir
überlegen ist; der voller Energie ist [d.h., der eine
gleichbleibende Freude hat, das Wohl anderer zu bewirken]; der
einen Reichtum an Schriftenkenntnis besitzt [er sollte die drei
Schriftkörbe Vinaya, Abhidharma und Sutras ausgiebig studiert
haben]; der liebevolle Fürsorge besitzt [der nur aus Liebe
& Mitgefühl lehrt, ohne nach materiellem Gewinn oder
Ehrerbietung zu trachten]; der ein durchdringendes Wissen der
Realität (Soheit) hat [hat er keine direkte Erkenntnis der
Selbstlosigkeit der Phänomene erlangt, sollte er
zumindest eine korrekte Erkenntnis der Soheit durch Schriften und
mittels Logik gewonnen haben]; der sprachlich geschickt ist [den
Schüler stufenweise anzuleiten und die Bedeutung seinem
Verständnis entsprechend zu vermitteln]; und der Mutlosigkeit
überwunden hat [d.h. ohne zu ermüden, geduldig die Lehren
immer wieder darzulegen, auch wenn der Schüler sie wiederholt
nicht versteht]."
Nach Geshe Potowa sollte der Lehrer, wenn er
nicht diese 10 Qualitäten besitzt, zumindest fünf davon
besitzen: Er sollte im Besitz des Trainings der drei
höheren Schulungen der Ethik, Konzentration und Weisheit sein
[wodurch er diszipliniert, ruhig und vollkommen im Frieden
ist] und er sollte die Erkenntnis der Soheit sowie ein
fürsorgliches Herz besitzen.
Ist es schwierig, eine Person mit solchen
Qualitäten aus zeitbedingten Gründen zu finden, so wird
gelehrt, sollte man sich nicht auf jemanden stützen, bei dem
die Fehler überwiegen oder der gleichermaßen Fehler wie
Qualitäten hat, sondern auf eine Person, die mehr positive
Qualitäten als Fehler hat. (Tsongkhapa im Lam Rim ´bring ba)
Gemäß Gampopa's Juwlenschmuck der Befreiung sollte ein gewöhnlicher spiritueller Lehrer des Mahayana mindestens zwei Qualitäten haben:
Im Eintriit in die Bodhisattva-Praxis heißt es:
"Spirituelle Freunde sind stets bewandert in der Bedeutung des großen Fahrzeugs
und geben die höchste Bodhisattva-Disziplin selbst auf Kosten ihres Lebens nicht auf."
Jetsun Gampopa kommentiert:
Sie sollten also: die Bedeutung des großen Fahrzeuges tief erfasst haben,
die Bodhisattva-Gelübde wahren.
Im selben Text werden dann wiederum vier und acht Qualitäten
erklärt, die gewöhnliche Lehrer besitzen sollten.
Um Lehrer auf ihre Qualifikation und Qualitäten korrekt prüfen zu können, muss man zudem selbst die Qualitäten eines Mahayana-Schülers besitzen.
Zusammengefasst:
.
[1] Aus
dem Vorwort zum Buch "Sekten – wie Menschen ihre Freiheit
verlieren und wiedergewinnen können“ von Margaret Thaler
Singer/Janja Lalich, Carl-Auer-Systeme Verlag [↑ zurück ]
[2] Die
Kriterien entstammen der Klassifizierung von M.T. Singer und sind als
Zitate dem Buch „Sekten – wie Menschen ihre Freiheit
verlieren und wiedergewinnen können“ entnommen (Seite
35-39). Die darunter notierten Auszüge sind entweder Zitate oder
Zusammenfassungen einiger Punkte, die M.T. Singer gibt. [↑ zurück ]
[3] Wikipedia.de, http://de.wikipedia.org/wiki/Sekte, Oktober 2007 [↑ zurück ]
[4] Die
angegebenen Kriterien sind das Ergebnis eigener Erfahrung,
Beobachtung und der Diskussion mit anderen und dienen der
Orientierung. Kriterien, wie Expansionsstreben (Missionseifer), Informationskontrolle und Elitedenken fehlen
zudem. Je nach Hintergrund wird der Begriff "Sekte" oder "Kult"
unterschiedlich verwendet. Eine Summe von Kriterien anderer
Anbieter finden Sie hier. [↑ zurück ]
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